Hundertwasser zu St. Jakobi Stralsund

Kulturkirche wird Ausstellungsraum

Kulturkirche wird Ausstellungsraum

Ostseezeitung Ausgabe Stralsund vom 13.03.2009

Warten auf Hundertwasser. Rund 170 Grafiken und andere Arbeiten des großen Meisters werden ab April in St. Jakobi zu sehen sein und unzählige kunstinteressierte Besucher anlocken. Ganze zehn Jahre lang soll die Ausstellung in der Kulturkirche gastieren und ein weiteres kulturelles Highlight in der Altstadt etablieren.
Aufgrund dieses neuen inhaltlichen Schwerpunktes sind auch enorme räumliche Veränderungen im Kirchenschiff notwendig, macht der technische Leiter, Horst Stahmann, deutlich. Mit erheblichem Aufwand und bereits sichtbaren Fortschritten wird sie gegenwärtig zum Ausstellungsraum umgebaut. Wo sonst Konzertklänge das Publikum begeistern, dominieren nun Hammer, Säge oder Steinbohrer die Geräuschkulisse. Wer Zugang bekommt, erlebt das Kirchenschiff augenblicklich als Großbaustelle.
Fertig ist bereits der Fußboden des Altarraumes; der Chorumgang soll nun rundum zugänglich sein. Dafür wurden Bodenwellen zur besseren Begehbarkeit ausgeglichen und das Schachbrettmuster mit schwarzen und hellen Marmorplatten neu verlegt. Vorläufig aus Kostengründen verschoben werden musste dagegen die Bearbeitung des Betonfußbodens im Kirchenschiff.
Die erwünschte Glättung und Versiegelung durch eine Spezialfirma könnte möglicherweise im Herbst nach der ersten Ausstellungssaison erfolgen. Nahezu abgeschlossen ist der Aufbau der Stellwände für die Exponate. Rundum wurden deswegen Kapellen geschlossen und andere wiederum für die Ausstellung gewonnen.
Durch diese räumliche Öffnung bekommt die Kulturkirche ein neues, ungewohntes Gesicht, vermittelt nun wieder ein tieferes Raumgefühl. "550 Quadratmeter Holzplatten werden als Ausstellungsfläche verbaut", macht Stahmann die Veränderungen mit Zahlen deutlich. Hinzu kommen noch 30 Quadratmeter Glas-Verkleidung um die Säulen.
"Ein wichtiges Anliegen der Arbeiten ist dabei der Schutz der historischen Substanz, die optisch und baulich so wenig wie möglich beeinträchtigt werden soll", verweist er auf die hohen Anforderungen bei der Umgestaltung. Das erfordert nicht wenig Fantasie und Kreativität.
So werden die südlichen Seitenkapellen als Lagerstätte für alte Grabplatten genutzt und deren Gewicht wiederum als Halt für die Metall-Konstruktion der Stellwände. Bis zum Ausstellungsbeginn im April werden noch große, dreieckige Sonnensegel angebracht, um den Lichteinfall durch die südlichen Kirchenfenster zu regulieren.
Geplant sind weiterhin ein indirektes Beleuchtungssystem und unauffällige Traversen für Lautsprecher und technische Geräte. Für die Sicherheit der wertvollen Hundertwasser-Bilder garantieren ein ausgebildetes Ausstellungsteam und eine erweiterte Alarmanlage, erläutert Stahmann das Bündel der technischen und optischen Neuerungen.
Dass mit der Umgestaltung auch das kulturelle Nutzungskonzept neu strukturiert werden muss, macht Kulturmanager Franz Triebenecker deutlich: "Mit der Dauerausstellung in der Saison erfährt die Kulturkirche eine enorme qualitative Aufwertung!"
Langzeitige Belegung des Kirchenschiffes etwa durch Opernaufführungen wie Tosca oder Großmärkte sind zukünftig im Sommer jedoch nicht mehr möglich. Musikveranstaltungen wie das Konstantin-Wecker-Konzert beispielsweise werden aber weiterhin hier stattfinden, bekommen gar einen spektakulären Rahmen. Ausstellungssystem und Konzertausstattung sind entsprechend flexibel. Hundertwasser aber wird immer präsent sein.